Fotos: © Matthias Hänisch
Katja Kiefer
lebt als freie Illustratorin und Autorin in Berlin.
1966 in Hildesheim geboren, studierte sie dort später Grafik-Design. Danach arbeitete Katja Kiefer unter anderem im Bereich Film und Hörspiel, bis sie schließlich den Spaß am Kinderbuch für sich entdeckte. Seitdem erfindet sie
begeistert Geschichten und Gestalten, illustriert für verschiedene Verlage Tiere, Kinder, Rätsel, Phantastisches und Sachliches.
Besonders gerne lässt sie es wimmeln und kleine komische Dinge passieren.
Vertretung durch die Agentur Barbara Küper
Gründungsmitglied der Künstlergruppe 20x20
Vielen Dank an Webdesigner Michael Preidel (der bei Bedarf auch schnell mal eine Melodie komponiert) und meinen Bruder Gunther Kiefer, der die Seite hegt und pflegt und auch sonst immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Einen besonderen Dank an Matthias Hänisch, der unter anderem für die wunderbaren Fotos zuständig ist.
Interview mit Katja Kiefer

Interview
Katja Kiefer über ihre Arbeit als Buchillustratorin
Ein schriftliches Interview
Was man alles fragen kann …
| Geburtsdatum: | 28.12.1966 |
| Geburtsort: | Hildesheim |
| Wohnort: | Berlin |
| Ausbildung: | ein halbes Studium Grafik-Design |
| Hobbys: | Ich mag Wald und Wiesen, Kunst und Kultur – Bücher verschlingen, Bilder gucken, Filme, Theater, Ausstellungen aber auch Garten, Blumen, Schmetterlinge, Meer und Himmel einatmen |
Wie gestaltete sich Ihr bisheriges Berufsleben – abgesehen vom Illustrieren? Gab es skurrile Jobs?
Auch wenn Farben und Papier mich immer begleitet haben, hatte ich lange Zeit ein Geschäft mit CDs, LPs, Postern, Fashion, Style und allem, was noch so Spaß macht. Dann habe ich viiiiiele Jahre an einem außergewöhnlichen Kinofilm-Projekt mitgearbeitet und konnte mich an Kulissen, Drehbuch, Casting, Maske, Regieassistenz, Trickanimation, Synchronregie und vielem mehr ausprobieren. Wir drehten mit einer Horde Kinder und Tieren – ich durfte Bären füttern und Kaninchen bei Laune halten. Der Bär, der im Film hervorragend Klavier spielen kann, wurde übrigens von Harry Rowohlt gesprochen, Horst Tomayer und der legendäre Friedrich Schoenfelder gaben ebenfalls ihre Stimmen. Ein Lied wurde extra für Max Raabe geschrieben, der es dann tatsächlich in seinem Berliner Wohnzimmer für uns einsang. Und wenn ich noch von den explodierenden Köpfen und der Gehirnwäsche erzähle, die der liebenswerte Jörg Buttgereit ausgeführt hat, kann man erahnen, dass der Film ein wenig anders und für Freunde erstaunlicher Bilderfluten eigentlich ein Muss ist!
Doch für mich ging es in dieser Branche irgendwie nicht weiter und als ich dann „zufällig“ einige Illustrationen für Kinder malte,
sprang der Funke über und ich wusste: das ist es! Und so schrieb und illustrierte ich neben meinem Job in einem Marktforschungsinstitut das erste
Buch von den Waldpiraten. Tagsüber telefonierte ich mir den Mund fusselig und stellte Teilnehmer für Studien zusammen und in meiner freien Zeit
widmete ich mich Hase Hotte und seinen Freunden.
Schön, dass ich mir jetzt den ganzen Tag Quatsch ausdenken kann ...
Gab es Vorbilder?
Eigentlich komme ich von der freien Malerei und hatte kein ausdrückliches Faible für Bilderbücher; vielleicht auch, weil ich sehr früh zu lesen angefangen habe. Und so war ich ziemlich frei von Einflüssen oder Vorbildern. Als ich nun selber zu illustrieren anfing, konnte ich es sowieso nur auf meine Art. Aber bei so vielen wunderbaren Illustratoren/innen lerne und entdecke ich ständig neue Aspekte, Techniken, Perspektiven und Erzählvarianten – egal ob von Klassikern oder frischsten Neuerscheinungen. Wen ich allerdings verehrungswürdig finde, ist Sven Nordqvist!
Haben Sie Kinder? Fühlen Sie sich von ihnen inspiriert?
Inspiration kann für mich in allem liegen, also natürlich auch in Kindern.
Eigene Kinder habe ich nicht – aber ich weiß noch ziemlich gut, wie das so ist. Und meine beiden Stiefjungs kriegen natürlich alles zu sehen,
was ich so mache.
Vielleicht können Sie sich noch erinnern: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit besonders beeindruckt? Warum?
Als Buch aus meiner Kindheit kommt mir immer mal wieder „der kleine Nick“ vom genialen Duo Goscinny/Sempé in den Sinn. Dieser etwas unerwartete Humor, der aus kleinen Alltagssituationen heraus entsteht und selten einen Helden kreiert. Da war immer etwas Verblüffung dabei – beim Leser und auch bei den Protagonisten selber. Nanu, wie ist das denn nun gekommen? Na so was ...
Welche Rolle haben Comics für Sie gespielt?
Gaston – ich liebe Gaston! Dieser wunderbare Nichtsnutz mit einer Flut von Ideen, wenn es um scheinbare Nichtigkeiten geht. Ein wahrer Anarchist, ohne es zu wissen! Und André Franquin ist einfach großartig, locker, leicht, treffsicher. Natürlich mochte ich wie alle „Tim und Struppi“ von Hergé oder auch „Clever und Smart“ von Ibanéz. Comic als bewundernswerte Kunstform habe ich erst später entdeckt: durch Frank Miller und Alan Moore zum Beispiel schnupperte ich ein bisschen in die Graphik Novel hinein. Den Joker aus Moores „the killing joke“ fand ich mitreißend und wischte ihn selber mal auf die Leinwand. Damals malte ich noch viel mehr „frei“ und erinnere mich, auch Auftragsarbeiten für den einen oder anderen Comic-Helden erhalten zu haben.
Wie und wo lassen Sie sich inspirieren? Welche Rolle spielt dabei das Phantastische?
Die Ideen laufen mir von ganz alleine über den Weg. Sie steigen wie Luftblasen an die Oberfläche und eigentlich kann das jederzeit passieren:
Ein Wort, ein Satz, eine Beobachtung – alles kann zu einer Idee und damit zu einer Geschichte werden. Meist flackert zu eben diesem Wort oder
Satz spontan ein Bild und zu der Beobachtung ein Satz auf. Dann ist es, als wenn man einen Flummi anstupst und der fängt an zu hüpfen und zu
springen und Kapriolen zu schlagen. Wenn mir das Ganze Spaß macht und ein gewisses Maß an Substanz hat, landet die Idee auf einem Zettel in
meiner Mappe und wartet darauf, ausgearbeitet zu werden.
Auch wenn es in dieser Mappe einige Seiten zu einem phantastischen Kinderroman gibt, entstehen die meisten Ideen eher aus dem Alltäglichen.
Wie entstehen Ihre Figuren?
Ohne Vorwarnung. Meine Figuren sind meist Teil einer Geschichte oder Situation, die ich erzählen will. „Johnny der Igel“ ist der Igel, der nicht zum Frisör gehen will. Und nicht Johnny, bei dem ich überlege, was ihm passieren könnte. Dadurch entsteht der Charakter von ganz alleine. Denn so ein aufmüpfiger Igel ist doch ganz anders als einer, der selbstverständlich und ohne zu murren zum Frisör geht. Es ist ganz klar, wie er redet und sich zu anderen verhält, was zu ihm passt – die kleinen Brüche eingeschlossen. Eigentlich brauche ich nur zuschauen und beobachten, was er da so treibt.
Wie würden Sie Ihren Zeichenstil charakterisieren?
Ich erzähle gerne kleine Geschichten in den großen Geschichten und so kam ich am „Wimmeln“ nicht vorbei. Doch auch die hohe Kunst der
Reduktion habe ich mehr und mehr zu schätzen gelernt und große Hochachtung davor.
Grundsätzlich benutze ich ganz klassisch Papier, Bleistift, Gouache, Tinte und Fineliner und mag es, die Farbe auf dem Papier hin und her zu
schieben. Dadurch wirken meine Bilder oft aquarellhaft, haben aber gleichzeitig eine warmherzige und frische Leuchtkraft.
Klassisch, zeitlos, detailliert und liebevoll sind Attribute, die oft im Zusammenhang mit meinen Illustrationen genannt werden und mit denen ich
mich durchaus identifizieren kann.
Ist es Ihrer Ansicht nach in Ordnung, wenn Kinderliteratur primär spaßig ist und pure Unterhaltung darstellt? Oder sollten immer soziale Kompetenzen vermittelt werden?
Ich wünschte, es gäbe keine solche Debatte, die mich an E und U in der Musik erinnert. Aspekte wie Spaß und soziale Kompetenz sollten sich
nicht gegenüber stehen – für mich gehören übrigens Humor und Lachen zu sozialer Kompetenz dazu. Und gibt es tatsächlich die „Pure
Unterhaltung“? Nichts, was man aufnimmt, bleibt ohne Resonanz. Vielmehr ist gerade alles, was mit Spaß vermittelt wird, ein wunderbarer Lehrer.
Ein scheinbar „sinnfreies“ Buch, das „nur“ unterhält, kann zum Beispiel die Fähigkeit fördern, über Gedankengrenzen hinaus zu gehen.
Die Freude daran, der Fantasie freien Lauf zu lassen, auch einmal ohne Sinn und Zweck, ist ganz sicher Persönlichkeitsbildend.
Und darf man auch mal von Dingen erzählen, die nicht so ganz kindpolitisch korrekt sind? Ganz sicher! Haben Sie mehr Vertrauen in die Kinder.
Wir würden Sie gerne zitieren! Was wollten Sie schon immer mal sagen: z.B. übers Zeichnen, übers Lesen, über Bücher...?
Hinein in die wunderbare Welt der Bücher! Lest und schaut Euch die Bilder an! Und dann: lasst wieder selber neue Bilderwelten und Geschichten entstehen ...